Es tut sich viel im Nordrhein-Westfälischen Rugby: Die Bemühungen um einen Bundesstützpunkt gehen voran und die Landesregierung unterstützt die geplanten Talentstützpunkte in Köln. Im Vorfeld des Turniers der Meisterschaftsserie im Siebenerrugby in Hürth erläutern Dr. Markus Gerigk, Vorsitzender RNW und Jörg Behrndt, Geschäftsführer und Leistungssportkoordinator RNW, die Pläne des RNW und treten für nachhaltige Reformen auf Bundesebene ein.


Warum ist Nordrhein-Westfalen ein geeigneter Standort für einen Bundesstützpunkt?

Markus Gerigk: Aus unserer Sicht braucht das deutsche Rugby eine breite, geografisch verteilte Entwicklung, um voranzukommen. Der Standort NRW hat bereits einen hohen Stellenwert für den deutschen Rugbysport, speziell für die Frauen. In Köln findet sich die komplette Infrastruktur rund um die Sporthochschule und den Olympiastützpunkt in Müngersdorf. Mit einem Bundesstützpunkt in NRW kann sich der Deutsche Rugby Verband öffnen und ein klares Zeichen für eine zukunftsorientierte Ausrichtung unseres Sports setzen. 

Der DRV wartet bislang vergeblich auf Förderbescheide und ist einer finanziellen Schieflage. Gleichzeitig verpflichtet der RNW Susanne Wiedemann als hauptamtliche Trainerin. Wie ist es möglich, solche Strukturen zu schaffen?


Jörg Behrndt: Die Verpflichtung Susanne Wiedemanns als Landestrainerin war nur möglich durch die gute Zusammenarbeit mit den Institutionen des Sports in Nordrhein-Westfalen. Wir kooperieren seit Jahren mit den zuständigen Ministerien, der Sportstiftung NRW und dem Landessportbund NRW, speziell im Bereich Leistungssport. Diese vertrauensvolle Zusammenarbeit ermöglicht es uns, neue Wege zu gehen. 

Wie sieht die Zukunftsvision des Landesverbandes für das Nordrhein-Westfälische Rugby aus?


Gerigk: NRW wird eines der führenden Bundesländer im deutschen Rugby. Wir haben schon heute die meisten Vereine und diese Entwicklung wird sich verstärken. Gleichzeitig arbeiten wir systematisch an der Qualität unserer Trainer und Spieler. Das wird sich auszahlen.

Welche Maßnahmen notwendig, um diese Ziele zu erreichen?

Behrndt: In NRW haben wir die meisten Maßnahmen bereits in Angriff genommen. Mit Susanne Wiedemann haben wir jetzt auch eine der besten Trainerinnen Deutschlands. Unsere Auswahltrainer bauen die Kader systematisch aus und tragen unser Spielsystem in die Vereine. Das nächste Ziel ist es, Schul-, Vereins- und Kaderrugby noch enger zu verbinden. Mit unserem Nachwuchsförderkonzept haben wir bereits die Basis hierfür gelegt.

Wo liegen die Chancen der Aufnahme von 7er-Rugby als olympische Disziplin?


Behrndt: Deutschland hat die Möglichkeit, im 7er Anschluss an die führenden Nationen in Europa zu finden. Die Entscheidung 7er Rugby bei Olympia aufzunehmen, bedeutet keinen automatischen warmen Geldregen. Sie ist die Möglichkeit, in Zusammenarbeit mit dem DOSB, BMI und weiteren öffentlichen Institutionen Konzepte und Strukturen zu entwickeln, die zu einer besseren Förderung führen. Dabei handelt es sich nicht nur um finanzielle Mittel.

Nach der Aufnahme des 7er Rugbys als olympische Sportart ging es im deutschen Rugby eher bergab. Jetzt hat die Herren-Nationalmannschaft den Aufstieg in die FIRA Grand-Prix Series geschafft. War das die Trendwende?

Gerigk:  Wir freuen uns über den Aufstieg, eine tolle sportliche Leistung genau zur richtigen Zeit. Wenn wir jetzt auf dem kommenden Rugbytag die notwendigen Strukturänderungen einleiten, sind wir auf einem guten Weg. Wenn nicht, wird es schwer, diesen Erfolg zu bestätigen.

Was muss sich ändern, damit das deutsche Rugby die Chance Olympia nachhaltig nutzen kann?


Behrndt: Das deutsche Rugby braucht einen Kulturwechsel, um langfristig Erfolg zu haben. Das intransparente Vorgehen einzelner Verantwortlicher hat den DRV an den Rand des Konkurses gebracht. Die Strukturen des DRV erschweren derzeit das Fortkommen. Wir diskutieren zu viele Vereinsinteressen.
Um Leistungssport auf olympischem Niveau zu betreiben, brauchen wir professionelle, hauptamtliche Strukturen. Damit ist nicht nur das Sportliche gemeint. Wir brauchen ein professionelles Management. Die Aufgaben sind zu komplex, um im Tagesgeschäft weiter von Ehrenamtlichen übernommen zu werden.

Der RNW beantragt außerdem die Einsetzung eines Interimsmanagements. Braucht das deutsche Rugby Hilfe von Außen?

Gerigk: Im Moment ja. Wir müssen aus der Vergangenheit lernen. Das kann sehr schmerzlich sein. Eine neutrale Stelle kann unvoreingenommen an die Sache herangehen. Wichtig ist in diesem Zusammenhang auch, dass der jetzige Vorstand nicht entlastet wird, bevor nicht ganz klar ist, in welchem finanziellen Zustand sich der DRV befindet.

Behrndt: Wir müssen über den Tellerrand schauen. Wenn wir von anderen Verbänden und Sportinstitutionen lernen, können wir die Ansprüche des olympischen Leistungssports erfüllen. Nur so können wir die Position von Rugby in der deutschen Sportwelt nachhaltig verbessern.